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Kinderhospiz Balthasar - September 2003

Das Kinderhospiz Haus Balthasar

Sonntag Morgen 28. Sep. 2003 / 7:30 Uhr

Ein Blick aus dem Fenster. Feiner Regen, 9 Grad, der Tag könnte besser beginnen. Das "Daumen drücken" hat wohl nichts genutzt. Das Kinderhospiz Balthasar begeht heute sein 5 jähriges Jubiläum und wir, die ToyRunner, haben versprochen dabei zu sein. Die ganze Woche habe ich gespannt den Wetterbericht verfolgt und nun regnet es leicht, auch die Motorrad-Gespanne bereiten mir Sorgen, nur eine feste Zusage habe ich erhalten. Etwas betrübt schließe ich die Garage auf, naja zumindest stehen wir nicht mit leeren Händen da. Das Pflegeteam des Hauses Balthasar hat sich einen DVD-Player, sowie einige Kinderfilme gewünscht. Die kleinen Patienten sind in Ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit doch sehr ingeschränkt, wenn das Wetter im Sauerland schlechter und die Aufenthalte im Freien kürzer werden, stellen Filme doch eine willkommende Abwechslung dar. Wir erfüllen diesen Wunsch gerne, aber schaffen wir es auch Gespanne an den Start zu bringen? So wie wir es versprochen haben?

Es ist 09:00 Uhr bei trüben kaltem Wetter starte ich, bis Lennestadt dem vereinbartem Treffpunkt sind es 125 km, wir wollen uns in zwei Stunden am Landgasthof Laarmann treffen um von dort gemeinsam zum Haus Balthasar zu fahren.

Unterwegs treffe ich auf Petra mit Ihrem XJ 900 Yamaha Gespann, ich freue mich sehr das sie Ihr Versprechen gehalten hat und uns mit Ihrem Gespannnterstützt. Laut Petra sind noch ein/zwei Gespanne Richtung Olpe unterwegs. Das Wetter wird besser, teilweise kann ich ein Stück blauen Himmel sehen.

Kurz vor 11:00 Uhr treffen wir pünktlich am Landgasthof ein. Wir sind nicht die ersten, einige ToyRunner haben sich schon versammelt, auch Gespanne sind dabei. Ich sehe eine Honda CBR 1000 Beringer, eine K1200RS mit EML 2001 GT , selbst ein Honda CN250 Helix Roller mit Jeaniel Cobra Boot ist gekommen.

Um 13:30 Uhr geht es gemeinsam Richtung Olpe, mittlerweile haben sich 25 ToyRunner und 6 Gespanne eingefunden. Ein Goldwing- und ein R1100S-Umbau mit Subsonicboot begleiten uns noch und so machen wir uns auf den Weg.

Nach kurzer Fahrt treffen wir am Haus Balthasar ein, wir werden schon erwartet und ohne große Wartezeit laden wir die kleine Patienten, die Geschwisterkinder, Eltern und alle Interessierten zu einer kleinen Tour im Beiwagen ein. Nur wenig später ist das Eis gebrochen und wir haben Mühe einen einigermaßen geordneten Ablauf sicher zu stellen. Von allen Seiten entern die Kinder die Boote und wollen einen der begehrten Plätze ergattern.

Das Wetter ist viel besser geworden, es bleibt trocken und sogar ein wenig wärmer ist es geworden.

Während wir auf die Rückkehr der Gespanne warten spricht mich der Vater von Thomas an. Ob es uns möglich ist Thomas auch eine Fahrt im Gespann zu ermöglichen? Thomas sitzt im Rollstuhl und die Möglichkeiten seiner Kommunikation sind stark eingeschränkt, ebenso ist er körperlich schwer gehandikapt. Raphael und ich sehen uns an, selbstverständlich werden wir Thomas eine Fahrt ermöglichen. Der Vater erzählt uns das Thomas als es ihm noch besser ging sehr gerne auf dem Soziusplatz mitgefahren ist und ihm das Moppedfahren immer viel Freude bereitet hat.

Wir bitten den Vater Platz zunehmen und heben Thomas zu Ihm in den Beiwagen. Als der Motor seine Arbeit aufnimmt lächelt Thomas, als das Gespann anrollt und mit Thomas um die Ecke biegt bin ich mir sicher das wir mit der Idee des ToyRun4Kids auf dem richtigen Weg sind und das alle Zeit und Energie welche von vielen Menschen in diese Idee investiert wurde sinnvoll angelegt ist!

Während die Gespannfahrer unermüdlich ihre Runden drehen und so langsam mit jedem Schlagloch rund um das Haus Balthasar persönliche Freundschaft schließen, haben wir Zeit für Gespräche mit Eltern und Mitarbeitern des Hauses. Die Anerkennung und der Respekt für unsere " Arbeit" ist überwältigend, sehr oft wird mir die Frage gestellt wie wir uns finanzieren. Der Auftritt unseres jungen Vereins ist mit Banner, T-Shirts und Flyern derart professionell das selbst öffentliche Mittel dahinter vermutet werden, zumal wir die Frage: "Was kostet denn die Fahrt?" stets mit einem freundlichen Lächeln und einem "Nichts" beantworten.

Ich erzähle den Eltern von KM-Aktionen, Abnehmversuchen und vielen sehr engagierten ToyRunnern und ich glaube alle merken das ein wenig Stolz über dieses Engagement in meiner Stimme liegt.

Als ich Luca sehe wird mir bewußt welches Ziel sich unser Vereins gesetzt hat. "Ein Lächeln auf das Gesicht der Kinder zaubern", Luca sitzt vor mir in seinem Rollstuhl, ein zartes Gesicht auf einem schmalen Körper. Auf seinem Sweat-Shirt ist ein Motorrad abgebildet und auf die Frage ob wir auch für Luca einen Platz hätten kann ich nur mit Zustimmung antworten! Raphael trägt Luca behutsam zum Beiwagen, Luca`s kleiner Kopf verschwindet fast völlig im Helm, aber er sitzt stolz im Beiwagen und drückt mit allem Möglichkeiten seiner Verständigung Lebensfreude aus.

Als Luca geboren wurde sagten Ihm die Ärzte eine Lebenserwartung von 3 Jahren voraus. Nun ist Luca schon 5 Jahre alt. Seit 2 Jahren lebt Luca von geborgter Zeit und alle wissen das diese zeit nicht mehr lange reicht.

Gegen 17:30 Uhr geht das Fest so langsam zu Ende. Die Gespanne haben mehr als 3 Stunden fast ununterbrochen ihre Runden gedreht. An Anja, Petra, Robert, Norbert, Alberto und Martin geht ein riesiges DANKE das sie uns geholfen haben, diesen Tag für viele Kinder und Eltern zu einem erlebnisreichen Tag zu gestalten!

Bei einer Kaffee und Kuchen lassen wir den Tag ausklingen, die Erlebnisse des Tages werden mich sicher noch lange beschäftigen. Den Mitarbeitern des Hauses Balthasar kann ich nur meine höchste Achtung zollen, ich bewundere die Kraft und die Liebe mit der sich dieser Aufgabe gewidmet wird.

21:30 Uhr, ich bin wieder zu Hause, ich weiß nicht ob wir heute etwas geändert haben, aber das Lächeln von Thomas, Luca und all den anderen Kindern motiviert mich, die ToyRunner weiterhin bei Ihrer Idee zu unterstützen. Das Wetter hat mitgespielt, sogar die Sonne hat Ihren Teil zum Gelingen des Tages beigetragen.